Hellste-Koepfe. Famulatur in der Neurochirurgie .
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Famulatur in der Neurochirurgie Neurochirurgie und Neuroradiologie: Zwei wie Pech und Schwefel

von Gaby Niggenaber (Studentin an der Berliner Charité), August 2015

 

Zwei, die zusammengehören: in der Neurochirurgie geht fast gar nichts ohne Neuroradiologie. Diese Erfahrungen und Kenntnisse nehme ich mit aus meiner Famulatur in der Neurochirurgie an der Charité in Berlin-Steglitz.

Nachdem ich mein Wahlfach aus dem 6. Klinischen Semester in „Neurochirurgie“ gemacht habe, hatte ich mich dazu entschlossen, eine Famulatur in der Neurochirurgie an der Charité am Campus Benjamin Franklin zu machen (Klinikdirektor Prof. Dr. Peter Vajkoczy). In Absprache mit unserem Referat für Studienangelegenheiten durfte ich das Wahlfach um 2 Semester vorziehen.

Wir sind hier in Berlin in der außergewöhnlichen Lage, aufgrund des auslaufenden Regelstudiengangs sehr flexibel einige Fächer auf Wunsch vorziehen zu können. So hatte ich im 4. Klinischen Semester ca. 3 Stunden Unterricht in Neuroradiologie, was natürlich – wie so oft im Regelstudiengang – nicht ausreichend ist und zugleich das Wahlfach in Neurochirurgie, was hervorragend zusammen passt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in jedem Bereich Eigeninitiative erforderlich und auch gewünscht ist. Die Charité hat ein sehr gut ausgestattetes Lernzentrum für seine Studenten gebaut, in dem auch Kurse in Befundung von Kopf, Thorax, Abdomen und vieles mehr angeboten werden. Dort kann man mehr Unterrichtseinheiten in Radiologie belegen, als im Regelstudiengang angeboten werden.

Schon in der Vorklinik habe ich ein Jahr lang einen Kurs in Neurochirurgie besucht, den PD Dr. Peter Horn für Interessierte angeboten hat: Es wurden Patienten vorgestellt, die gerade auf der Station lagen und / oder frisch operiert wurden. Anhand von cCT und MRT besprachen wir potentielle Diagnosen. Die erste Frage lautete immer: Was ist das für ein Bild (CT oder MRT, Gewichtung?). Die zweite Frage: Tumor, Blutung, Abszess oder Metastase? Warum das eine und nicht das andere bei der Gewichtung? Da hinter diesen Bildern immer Schicksale von Menschen standen, war es ein sehr eingängiger und förderlicher Unterricht, der mir auch die Neuroanatomie der Vorklinik sehr viel näher gebracht hat, als es das alleinige Auswendiglernen und der Präparationskurs getan hätten.

Auch im Wahlfach „Neurochirurgie“ hat sich gezeigt, dass bei der Behandlung der Themen Kenntnisse in der Neuroradiologie essentiell notwendig sind. Die Dozenten stellten Themen wie Schädelhirntrauma, Metastasen, Epilepsiechirurgie, spinale Neurochirurgie, Gefäßerkrankungen des ZNS, periphere Nerven, funktionelle und stereotaktische Neurochirurgie, pädiatrische Neurochirurgie und Tumore des Gehirns vor. Auch hier wurden im Gespräch Kenntnisse in der Neuroradiologie von den Charité-Dozenten vermittelt, da die Neuroradiologie zur Diagnostik unabdingbar ist.

Kurz gesagt: Der Unterricht im Wahlfach war wirklich spannend und so habe ich mich schriftlich beim stellvertretenden Klinikdirektor, PD Dr. Woitzik, am Campus Benjamin Franklin in Steglitz beworben und für eine Famulatur in der Neurochirurgie eine Zusage erhalten.

Da ich die einzige Famulantin in Steglitz war und zwei Wochen auch kein PJ’ler auf Station war, konnte ich mich über Arbeitsmangel nicht beklagen. Es gab immer etwas zu tun: Blutabnahmen, Fäden ziehen am Kopf und am Rücken nach OP, Redon ziehen, einen neuen Verband oder Pflaster anlegen und alles, was nach Erklärung der Neurochirurgen delegiert werden konnte.

Jederzeit konnte ich mit in den OP-Saal kommen und bei den neurochirurgischen Eingriffen zusehen.

Wir hatten unter anderem Patienten mit chronischem Subduralhämatom nach Schädelhirntrauma. Und des Weiteren kommt so ziemlich alles vor, was auch im Wahlfach besprochen wurde.

Auch das klassische Patientenproblem trifft man hier wieder, dass mir schon von der Famulatur in der Notaufnahme bekannt war: Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall bis zum chirurgischen Notfall „Nervenausfälle nach Bandscheibenvorfall“.

Mein typischer Tagesablauf sah folgendermaßen aus:

Morgens fand nach der Visite zeitgleich in Steglitz und Wedding die „Frühbesprechung“ statt, die digital mit dem Campus Virchow-Klinikum geschaltet wird. Hier konnte ich auch wieder Erfahrungen in der Neuroradiologie sammeln, da alle Patienten des Tages vom Benjamin Franklin- und Virchow-Klinikum besprochen werden, das heißt anstehende und durchgeführte Operationen und Patienten aus der Nacht, die über die Rettungsstelle oder als Konsil in die Neurochirurgie gekommen sind.

Danach ging der Tag weiter mit der Visite auf der Intensivstation und das laufende Tagesgeschäft: Operationen und die Arbeit auf der Station.

Trotz Stress und Urlaubszeit war auch immer Zeit für Erklärungen. So hat sich zum Beispiel ein angehender Facharzt die Zeit genommen und in Ruhe das cCT und MRT eines Patienten begutachtet, um meine Frage zu klären: Warum Metastase oder Abszess?

In der täglich stattfindenden Ambulanz-Sprechstunde der Neurochirurgie am Benjamin Franklin habe ich dabei zuhören können, mit welchen Diagnosen die Patienten die Ambulanz aufsuchen. Auch hier war am häufigsten der Rückenschmerz (Protrusion und Prolaps) oder auch die Zuweisung von Neuroradiologen, nachdem das radiologische Bild medizinische Auffälligkeiten wie z. B. Tumore oder Fisteln gezeigt hat.

Um 15.00 Uhr gab es die Nachmittagsbesprechung, die wieder digital gleichzeitig mit dem Virchow-Klinikum geschaltet wurde, wo erneut Fallbesprechungen mit Hilfe der Neuroradiologie stattfanden. Einmal in der Woche fand die Tumorkonferenz statt, in der Neuroradiologen und Pathologen, teils via Bildschirmschaltung mit dem Virchow-Klinikum, anwesend waren. Hier wird die weitere Behandlung von Tumorpatienten erörtert: Gliome und Metastasen (z. B. nach Mamma-Karzinom), Tumormarker uvm. werden besprochen, die mir manchmal schon als Student im Semester begegnet sind. Hier sind sie ausschlaggebend für die weitere Prognose und die Möglichkeit von nachfolgenden Operationen.

Einmal wöchentlich fand dann auch die Fortbildung nach 17.00 Uhr statt, bei der jeder Famulant gerne gesehen war.

Mein Fazit:

Der freiwillige Unterricht war sehr hilfreich, um mich durch die Neuroanatomie der Vorklinik zu bringen und mit Hilfe des Wahlfachs die Famulatur im klinischen Abschnitt vorzubereiten!


Im OP-Saal: Trepanation einer Kokosnuss

 

Programmhinweis:Am 03.11.2015 findet ein Doppelvortrag von Prof. Dr. Jens Fiehler (Neuroradiologie) und Dr. Tobias Martens bei Akademie Online statt!

 

 

 

 

 

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