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Radiologie in der Niederlassung: "Die Chemie muss stimmen"

Dr. Eckhardt Mielke ist niedergelassener Radiologe in einer Gemeinschaftspraxis in Iserlohn. 2010 hat er sich für diesen Schritt entschlossen, nachdem er zuvor im Knappschaftskrankenhaus Bochum tätig war. Warum? Das sei zum einen eine Typfrage, zum anderen eine Frage der guten Gelegenheit, berichtet Dr. Mielke im Interview mit hellste-koepfe.de.

Dr. Eckhardt Mielke


Herr Dr. Mielke, welche besonderen Herausforderungen ergeben sich aus einer Niederlassung im Fach Radiologie?

Zunächst gilt das gleiche wie in jedem anderen Beruf auch; man sollte Spaß an seiner Arbeit haben und mit den Kollegen gut auskommen. Ich habe mich meinen heutigen Partnern über Vertretungstätigkeit und persönliche Kontakte genähert und beide Seiten waren sich recht schnell sicher vom Typ her miteinander klarzukommen. Man muss sich klar sein, habe ich einmal investiert und bin Partner in einer Gemeinschaftspraxis, habe ich die Kollegen auf die eine oder andere Art geheiratet. Die bleiben einem bis zur Rente erhalten. Krankenhausstellen kann man wesentlich einfacher wechseln. Einfach gesagt, die Chemie muss erst mal menschlich stimmen. Ich habe da, glaube ich, großes Glück mit meinen Partnern gehabt. Aber es hängt natürlich auch von der eigenen Teamfähigkeit ab. Die ist wichtiger als in einem Krankenhaus-Team wo es immer Fluktuationen gibt. Wir können uns nur schwer aus dem Weg gehen.

Technisch gesehen ist Niederlassung ist nicht gleich Niederlassung. Es gibt verschiedene Modelle. In der Regel handelt es sich heute um Gemeinschaftspraxen, d.h. Einzelkämpfer gibt es so gut wie keine mehr. Partner sind wichtig, damit man das gesamte Spektrum der Bildgebung abdecken kann und das persönliche Ausfallrisiko geringer wird. Viele Praxen sind rein diagnostisch tätig oder machen in begrenztem Umfang CT-gesteuerte Schmerztherapien. Dann gibt es Praxiskonstrukte, die ein oder mehrere Krankenhäuser versorgen. Diese Modelle können wie bei uns bis zu einer Vollversorgung reichen, wo auch interventionelle Fähigkeiten gefragt sind.

Man bewirbt sich in der Regel für eine schon bestehende Praxis als Partner, oder zunächst als Angestellter. Die Herausforderung liegt daher erstmal in dem Mut den Schritt zu gehen, die geordneten, behüteten Krankenhaus-Pfade zu verlassen. Jedoch gänzlich unbehütet ist man in einer Praxis auch nicht wirklich. In unserer Praxis beispielsweise sind wir sieben Kollegen in recht heterogener Altersstruktur sowie verschiedenen Spezialisierungen. Hierbei können die jungen Kollegen wunderbar von den schon erfahreneren profitieren. Das Praxisspektrum entspricht nicht dem eines Krankenhauses, dort ist das Patientenkollektiv vorselektiert und meist spezialisiert. Der Lernprozess ist daher in einer Praxis keinesfalls abgeschlossen.

Ich für meinen Teil kann sogar sagen, dass ich nie so viel gelernt habe, wie in meinem ersten Jahr der Niederlassung. Durch das neue Patientenspektrum, das viel breiter aufgestellt ist und die Erfahrung der älteren Kollegen habe ich – als recht spezialisierter Neuroradiologe - sehr viel Neues kennengelernt. Nichts desto trotz habe ich durch die Größe der Praxis die Möglichkeit gehabt das interventionelle Angebot des Teams auszubauen. Bereits zuvor wurden z.B. PTA´s und Stentimplantationen bei uns durchgeführt, ich konnte dies durch z.B. Kyphoplastien und Sacroplastien sowie neue Biopsietechniken und Ansätze erweitern.

Was hat Sie dazu bewogen sich in einer radiologischen Praxis niederzulassen?

Es gibt wohl zwei Wege zu einer Praxistätigkeit in der Radiologie. Der eine ist: Man stellt relativ früh fest, dass das Krankenhausgeschäft nicht so den eigenen Zielen entspricht und es zieht einen vielleicht auch nicht so zu den Interventionen. Dann kann man z.B. im dritten oder vierten Assistenzjahr in eine Praxis wechseln um dort schon Erfahrungen zu sammeln. In jedem Fall sollte man jedoch eine gewisse Zeit in einer größeren Klinik verbringen um die dortigen Strukturen kennenzulernen und um einen möglichst modernen Ansatz in diesem Innovationsfach mitzunehmen.

Mein Weg war anders: Ich komme aus einer leitenden Oberarztposition in einem größeren Krankenhaus und bin damit zwar recht erfahren aber auch spezialisiert in die Niederlassung gegangen. Danach hatte meine jetzige Praxis aber auch explizit gesucht, so dass es sehr gut gepasst hat. Bedingung einer Niederlassung für mich war eine Praxis mit Krankenhausversorgung. Unsere Praxis versorgt mehrere Krankenhäuser und macht eine 7-Tage-Vollversorgung mit 24 Stunden Notfallversorgung. Des Weiteren wollte ich die Möglichkeit haben zumindest partiell interventionell zu arbeiten und auch dem Krankenhausalltag nicht ganz zu entsagen. Für mich macht es die Mischung zwischen der Selbstständigkeit und Eigenwirtschaftlichkeit auf der einen Seite u n d der Krankenhausradiologie auf der anderen interessant. Natürlich hat man es auch gemacht um ein wenig der der eigene Chef zu sein. DER Chef ist man allerdings auch in einer Praxis nicht, sondern man ist Partner eines Teams. Das ist die Art von Arbeit, die mir gut gefällt. Dass man eben nicht unter Vorgaben eines Verwaltungsdirektors arbeiten muss, externe Vorgaben hat, sondern für sich selber entscheiden kann: Wie arbeite ich? Wieviel arbeite ich? Wie wirtschaftlich arbeite ich? Wie steuere ich meine Reinvestitionen? In welche Struktur investiere ich? Das sind alles Freiheiten, die man als Chef- oder Oberarzt nicht hat.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es läuft strukturierter ab als im reinen Krankenhausbetrieb. Es ist alles mehr im Takt, natürlich auch mehr im Akkord organisiert. Die ambulanten Patienten kommen kontinuierlich in die Praxis und mit diesen sind Gespräche zu führen. Im Krankenhaus sind die Röntgenbesprechungen und Konferenzen ausgedehnter Teil der Tätigkeit, aber auch mit den niedergelassenen Partnern im ambulanten Bereich findet viel Kommunikation statt. Auch der zuweisende Kollege will in besonderen  Situationen persönlich informiert werden. Kommunikationsfreudigkeit ist auf jeden Fall von Vorteil. Ein gewisser Arbeitsrhythmus ist vorgegeben. Wie man sich dann zwischendurch Freiheiten schafft, um vielleicht auch interventionell tätig zu sein, das muss man sich selbst gut strukturieren.

Wir in unserer Praxis beginnen morgens zwischen sieben und acht Uhr und arbeiten bis 17 oder 18 Uhr am Abend. Dann gibt es noch einen Spätdienst für die Kernspintomographie, d.h. jeder bleibt einmal die Woche etwas länger in der Praxis. Das ganze wird aufgelockert durch viel telefonieren, auch sicherlich (wenn auch recht kurz organisierte) Röntgenbesprechungen mit dem Krankenhaus und einfacheren interventionellen Tätigkeiten. Der Arbeitsalltag eines reinen Krankenhausradiologen ist sicherlich etwas mehr durchsetzt von Besprechungen, Tumorkonferenzen, etc. Zudem wird sich sicherlich mit dem einen oder anderen Fall intensiver auseinandergesetzt als das in einer Praxis möglich sein kann. Dafür werden bei uns mehr Patienten mit unterschiedlicheren Krankheitsbildern untersucht, das Spektrum ist sehr breit.

Was vermissen Sie an der reinen Krankenhausradiologie? Und worauf können Sie getrost verzichten?

Die kleinen Sahnehäubchen fehlen mir dann und wann schon. Ich behandle keine Aneurysmen in der Praxis, darüber muss ich mir klar sein. Ich kann mir nicht die Freiheit nehmen mich für einen schwierigen Fall drei Stunden aus dem Regelbetrieb rauszunehmen. Man begleitet die Patienten nicht so intensiv aus der Praxis raus. Man macht nicht die High-End-Intervention. Das ist sicherlich etwas, was man ab und zu mal vermisst.
Getrost verzichten kann ich auf überbordende Verwaltungsstrukturen. Auf Vorgaben von Verwaltungsmenschen, auf zu viel Betreuungsbedürfnis der kooperierenden Disziplinen, die wie wir wissen, den Hang haben die Radiologie für sich zu vereinnahmen.

Was raten Sie einem jungen Kollegen, der vor der Entscheidung steht ob er die Niederlassung wählen möchte oder in der Klinik bleiben soll?

Das ist eine Typfrage. Wenn ich entscheidungsstark bin und auch den Mut habe wirtschaftliche Risiken auf mich zu nehmen, dann bin ich für die Niederlassung gut geeignet. Wenn ich eher ein Mensch bin, der ein geordnetes Leben und ein geregeltes Einkommen haben möchte oder vielleicht sogar die Sicherheit des öffentlichen Dienstes, dann bin ich grundsätzlich in einem Krankenhaus besser aufgehoben.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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