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Brennen für die Hochfeld-MR-Bildgebung Oder: Was aus einem naturwissenschaftlich Begabten einen Spitzenforscher macht

Prof. Dr. Harald H. QuickSeit 1. Februar ist Prof. Dr. Harald H. Quick Direktor des Erwin L. Hahn Institute for Magnetic Resonance Imaging und Leiter Hochfeld- und Hybride MR-Bildgebung in Essen. Die interdisziplinäre Forschungsinstitution, die 2005 von der Universität Duisburg-Essen und der Radboud Universität Nijmegen gegründet wurde und in der ehemaligen Kokerei der Zeche Zollverein beheimatet ist, gehört zu den wenigen Einrichtungen weltweit, in denen die Vorteile der Hochfeld-MRT-Bildgebung für den gesamten menschlichen Körper untersucht werden. Mit Harald Quick kehrt ein alter Bekannter an das Institut zurück: Denn bereits vor seiner Berufung zum Universitätsprofessor für MR-Bildgebung an die Uni Erlangen hat Quick in Essen geforscht und gelehrt.

 

Prof. Quick, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Berufung zum Direktor des Erwin L. Hahn Institutes. Wie fühlt es sich an, wieder in Essen zu sein?

Es ist aufregend neu und vertraut zugleich. Die Berufung an das Erwin L. Hahn Institute ist die Rückkehr zu meinen akademischen Wurzeln. Denn an der Universität Duisburg-Essen habe ich einen Großteil meiner wissenschaftlichen Karriere absolviert: als junger Doktorand stellte ich hier meinen ersten Forschungsantrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der auch gleich bewilligt wurde. Auf die Promotion folgten Habilitation und die Berufung zum außerplanmäßigen Professor. Als ich im Jahr 2000 im Gefolge von Prof. Jörg Debatin an das Universitätsklinikum kam, stand hier erst ein MRT. Heute sind es sechs, plus ein PET/MR und das 7 Tesla-System. Ich komme jetzt also in eine Umgebung, wo vieles schon für meine Forschungsvorhaben bereitet ist, ich noch viele Mitarbeiter kenne und Strukturen vorfinde, die ich damals selbst mit auf den Weg gebracht habe.

Wie kam es zu Ihrem besonderen Interesse für die Hochfeld-MR-Bildgebung?

Ich wollte Naturwissenschaft betreiben und eigentlich Ingenieur werden, daher habe ich am Gymnasium Biologe und Physik als Leistungskurse belegt. Nach dem Abitur spielte ich mit dem Gedanken, Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren, kurzfristig liebäugelte ich auch mit dem Fahrzeugbau, aber als Wehrdienstverweigerer sagte man mir wenig Karrierechancen in einem Luftfahrtunternehmen voraus.

Die Faszination und Begeisterung für die Magnetresonanztomographie begann dann während des Zivildienstes und eines Praktikums, das ich ganz gezielt in der Medizintechnikabteilung absolviert habe. Supraleitung und Hochfrequenz das waren „Buzzwords“ für mich, der doch genetisch eigentlich als Ingenieur angelegt war. Allerdings gab es auch immer eine gewisse Affinität zur Medizin, weil ich es reizvoll finde, Krankheitsprozesse zu verstehen. Denn diese lassen sich ja oft naturwissenschaftlich erklären. Folglich habe ich mir sehr gezielt einen Studiengang gesucht, der das Medizinisch-Technische und die MRT vereint. Deshalb habe ich in Aachen biomedizinische Technik studiert.

Sie haben Ihre Berufswahl präzise geplant und eingefädelt. Hat man nur so in Deutschland die Chance, in der Forschung so weit zu kommen?

Es ist sicherlich wichtig, zu bestimmten Zeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen, einen geeigneten Mentor zu finden, aber ebenso ausschlaggebend sind aus meiner Sicht Glück, Wachsamkeit und Beharrlichkeit. Mein Werdegang, eine Professorenkarriere innerhalb des geforderten engen Zeitfensters zu schaffen, war sicher nicht vorhersehbar. Vor 15 Jahren hätte ich keinen Tipp darauf abgeben, wo ich heute stehe. Im Mittelbau der Universitäten gibt es viele potenzielle Kandidaten, von denen sich aber leider nur ein kleiner Teil durchsetzen kann. Ich halte es daher nicht für empfehlenswert, sich auf eine Professorenlaufbahn zu versteifen.

Was waren denn die entscheidenden, prägenden Momente Ihrer Karriere?

Für die Diplomarbeit, ebenfalls bereits im Bereich der MR-Bildgebung, bin ich an das Herzzentrum Bad Oeynhausen gegangen. Mein Diplomvater, Prof. Jon Shah, betreut jetzt im Kernforschungszentrum Jülich das 9,4 Tesla MRT-System. In dieser Zeit begann ich Kontakte zu knüpfen, die ich bis heute pflege. Auf der Suche nach einer ersten Arbeitsstelle lernte ich Prof. Jörg Debatin in Zürich kennen, der mir den Eintritt in die Forschung ermöglichte. Anstatt in die Industrie zu gehen, habe ich mich zunächst für drei Jahre Grundlagenforschung entschieden.

Warum Zürich? Was zeichnete den Forschungsstandort zum damaligen Zeitpunkt aus?

Zürich bot ein exzellentes Forschungsumfeld: neben einer attraktiven Stadt heißt das vor allem eine sehr umtriebige Forschungsgruppe geleitet von einem energetischen Mentor und eine sehr gute Ausstattung mit vier MRTs und einem offenen MRT für Interventionen, damals mein Hauptbetätigungsfeld. Wir waren eine Gruppe von „formbaren und neugierigen“ jungen Forschern, Naturwissenschaftler und Radiologen, die alle das gleiche Ziel hatten und für die Sache brannten. Das ließ uns Mauern überwinden, auch wenn das bedeutete, schon mal nachts den Scanner zu nutzen, weil vorher kein Slot frei war oder weil wir mit Tieren oder Phantomen arbeiteten. Das nahmen wir alles gerne in Kauf, um eigene Arbeiten entwickeln und auf Kongressen vertreten zu sein. Wir konnten in dieser Forschungsgruppe gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten und hatten Gelegenheit, unsere eigenen Forschungsergebnisse weltweit zu präsentieren. Es war eine großartige Zeit mit einem starken Team.

Dennoch haben Sie dieses Team, das dann Ende 1999 von Zürich nach Essen umgezogen ist, 2009 verlassen. Warum?

Vermutlich, weil ich erst einmal weggehen musste, um wiederkommen zu können. In der Regel ist der Ort zur Erstberufung ein anderer als der, an dem man die akademische Ausbildung abgeschlossen hat. Und als Erstberufener, wie ich damals in Erlangen, kann man es sich nicht leisten, eine Professur an einer renommierten Universität nicht anzutreten. Im Institut für Medizinische Physik in Erlangen wurde 2009 diese Professur für MR-Bildgebung neu eingerichtet, weil dort das weltweit erste integrierte PET/MR zur Ganzkörper-Hybridbildgebung installiert werden sollte. Im Portfolio des Instituts gab es bis dato lediglich einen Schwerpunkt im Bereich CT- und Röntgenbildgebung, die Universität Nürnberg-Erlangen war also auf der Suche nach einem Forscher mit MRT-Expertise, die das Ganze technisch und auch in der Klinik mittragen konnte. Gewissermaßen als Geburtshelfer einer neuen Hybrid-Bildgebungsmodalität früh dabei sein zu dürfen, hat natürlich einen besonderen Reiz für einen Forschungsinteressierten.

Die kürzlich angetretene Professur in Essen mit Forschungspotentialen in Hochfeld- und Hybrider MR-Bildgebung war also perfekt auf Sie zugeschnitten?

Am Anfang steht zunächst einmal die Ausschreibung einer Professur. Jeder externe Kandidat und Bewerber steht für ein eigenes Forschungsprofil. Anhand von Publikationen, Drittmitteleinwerbung und den zahlreichen anderen Parametern muss man glaubwürdig abbilden, dass das eigene Forschungsprofil mit der gefragten Expertise zusammenpasst. Und man muss sich natürlich auch selbst fragen, ob die Voraussetzungen für die eigenen Forschungsintentionen vor Ort gegeben sind. Diesbezüglich haben wir in Essen mit dem 7T MRT, dem PET/MR und weiteren klinischen MRTs eine exzellente apparative Ausstattung, so dass ich mit meinem Wechsel nach Essen Forschungsprofil und Ausstattung sehr gut in Übereinstimmung bringen konnte. Nun liegt es an mir, ein produktives Team zu formen und mit den vorhandenen Ressourcen, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. In der radiologischen Forschung ist es wichtig, die potentielle Trennlinie zwischen Physik und Grundlagenforschung auf der einen und der Klinischen Forschung auf der anderen Seite aufzuweichen und bestmöglich zu verklammern. Nur so kann ein großes Team gut funktionieren und nur so entstehen wissenschaftlich valide und anerkannte Publikationen, an denen wir letztendlich alle gemessen werden.

Was raten Sie jungen Radiologen, die in die Forschung gehen wollen?

Soweit ich das als im radiologischen Umfeld tätiger Wissenschaftler bewerten darf: Zunächst sollte die solide radiologische Ausbildung im Vordergrund stehen. In jedem Fall sollte sich der junge Radiologe eine Universitätsklinik mit stimulierender Umgebung und einen in der Forschung erfahrenen Mentor suchen. Wenn das Team groß genug ist und entsprechende Förderprogramme bestehen, kann er sich zum Beispiel für ein Jahr von der klinischen Arbeit freistellen lassen und an ein Grundlageninstitut wie das unsere wechseln. Das ist natürlich der Idealfall. Aber auch in der Klinik selbst ist Forschung möglich, wenn man bereit ist, die Extra-Meile zu gehen. Es gibt viele Möglichkeiten in der Radiologie Forschung zu betreiben; wichtig ist, eigene Ideen und Projektvorschläge einzubringen. Für die ist jeder Chef dankbar und die eigene Motivation ist dann größer. Allerdings bedeutet das oftmals, auch nach 17:00 Uhr noch im Institut zu sein. Selbst müde von den Routineaufgaben lernt man die ersten Schritte. Es lässt sich nicht leugnen, dass man Durchhaltevermögen, Durchsetzungskraft und vor allem ein strukturiertes Vorgehen braucht, um das Ganze zu managen und die Ideen, Ergebnisse und mögliche Rückschläge zu kanalisieren - und es braucht Geduld. Allein die Bewilligung des Ethikantrags kann bis zu drei Monate dauern und dann muss man sicherstellen, dass die eigenen Untersuchungsprotokolle auch fallweise angewendet werden. Man sollte sich von den Schwierigkeiten der ersten Studie nicht entmutigen lassen; beim zweiten Mal läuft alles schon viel einfacher. Und nichts ist ermutigender und wichtiger für einen angehenden Forscher, als den eigenen Namen auf den ersten eignen Publikation zu lesen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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