Hellste-Koepfe. Von Forschungsspringern, Forschungstagen und Forschungsrotationen.
Wir planen Wartungsarbeiten am 12. April 2010 in der Zeit von 11 bis 18 Uhr.

Von Forschungsspringern, Forschungstagen und Forschungsrotationen Oder: Wie die Uniradiologie Hannover ihren Weiterbildungsassistenten bereits vom ersten Tag an das Forschen ermöglicht

von Dr. Katja Hüper, 03.03.2014

Dr. Katja Hüper ist Weiterbildungsassistentin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Medizinischen Hochschule HannoverSchon zu Beginn der Facharztausbildung sind die Anforderungen an den Assistenzarzt in der Radiologie hoch: Kennenlernen und Verstehen der Untersuchungstechniken, Befunde schreiben, Fallvorstellungen, klinische Konferenzen und schon nach einiger Zeit stehen die ersten Dienste an. Da bleibt wenig Zeit, sich in Forschungsprojekten zu engagieren oder sich überhaupt fürs Forschen zu interessieren. Besonders die experimentelle Forschung ist neben der klinischen Tätigkeit kaum möglich.

Forschen ab Tag 1

Um Assistenten schon früh in ihrer Ausbildung für die radiologische Forschung – sowohl klinisch als auch experimentell - zu begeistern, verfolgt die Radiologie der Medizinischen Hochschule Hannover seit zwei Jahren ein neues Konzept: Jeder Assistent beginnt seine Ausbildung mit einer dreimonatigen Forschungsrotation. Während dieser Zeit wird er einer Arbeitsgruppe zugeordnet oder wählt je nach eigenem Interesse eine Arbeitsgruppe aus. Hier bearbeitet er ein Forschungsprojekt und wird eng durch den Arbeitsgruppenleiter und andere Arbeitsgruppenmitglieder betreut.

Projekte reichen von der retrospektiven Analyse von bereits erhobenen Daten über das Mitwirken in klinischen Studien bis zur Einarbeitung in neue Techniken der klinischen und experimentellen Bildgebung und Durchführung von Studien. Der Assistent hat die Möglichkeit, in verschiedenen Projekten und unterschiedlichen Arbeitsgruppen mitzuarbeiten und kann sich so einen Überblick über die Forschungsmöglichkeiten in der Abteilung verschaffen. Ziel ist es, sich innerhalb der drei Monate mit einem Thema intensiv zu beschäftigen, einen Überblick über die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Abteilung zu gewinnen, erste Erfahrungen im Schreiben von Abstracts und Manuskripten zu sammeln und Grundlagen für das wissenschaftliche Arbeiten zu erwerben (Statistikkurse, tierexperimentelle Kurse, etc.).

„Forschungsspringer“ halten den Rücken frei

Nach drei Monaten beginnt die klinische Ausbildung. Da die Projekte auch während der klinischen Zeit weitergeführt und vertieft werden sollen, besteht die Möglichkeit, sich tageweise für das jeweilige Projekt von der klinischen Routine freistellen zu lassen. Diese Freistellung wird über den sogenannten „Forschungsspringer“ gewährleistet. Der Forschungsspringer ersetzt immer den Assistenten an seinem Arbeitsplatz, der an dem jeweiligen Tag im „forschungsfrei“ ist. Es entstehen also keine Engpässe in der klinischen Routine, die hinterher abgearbeitet werden müssen und auch die Akzeptanz der Forschungstage ist dadurch sehr hoch. „Eine klare Trennung zwischen klinischen Tagen und Forschungstagen habe ich während meiner Tätigkeit in den USA als wichtige Hilfe empfunden, um Forschungsprojekte voranzutreiben“, berichtet Klinikdirektor Prof. Dr. Frank Wacker über das neue Forschungskonzept für Assistenten an seinem Institut. „Die Idee, Forschungstage an der MHH auch Assistenzärztinnen und -ärzten anzubieten kam mir aufgrund der in Bewerbungsgesprächen geäußerten Unkenntnis über radiologische Forschung. Der Einstieg in den Beruf über eine Forschungsrotation hat sich bewährt und zu einer deutlichen Zunahme der Forschungsleistung unserer Abteilung geführt.“

Monatlich können alle Assistenten ihre Forschungswünsche in einen Plan eintragen. In der Regel hat jeder Assistent, der in der Forschung arbeitet,  je nach Bedarf 1 bis 4  Forschungstage pro Monat.  Natürlich lassen sich nicht alle Forschungsaufgaben im Rahmen der Routinearbeitszeit erledigen. Die Tage unterstützen jedoch die Weiterführung von Studien erheblich.

Forschungsrotation mit Zugabe

Assistenten, die sehr stark in die Forschung eingebunden sind und die großes Interesse an einer wissenschaftlichen Karriere haben, können auch während der Facharztausbildung Forschungsrotationen beantragen. Dadurch können zeitaufwändige Projekte gut bearbeitet werden.

Insgesamt hat sich das Modell der Forschungsförderung in der Assistenzarztausbildung, bestehend aus 1. Forschungsrotation zu Beginn der Facharztausbildung, 2. Forschungstagen, die durch einen „Forschungsspringer“ kompensiert werden und 3. Forschungsrotation während der Facharztausbildung in den vergangenen beiden Jahren gut bewährt.

Die Finanzierung der Freistellungen erfolgt zum einen aus der Grundausstattung Forschung und Lehre, zum größeren Teil aber über Drittmittel, die für die längerfristigen Freistellungen unerlässlich sind. Für viele Assistenten sind die Forschungstage gar nicht mehr wegzudenken, da sie ohne diese Tage ihre Projekte nur mit erheblichen Schwierigkeiten fortführen könnten.

Das sagen die Assistenzärzte der Abteilung:

Ein durchweg positives Feedback geben die Assistenzärzte der Abteilung von Professor Wacker: Vor allem die Forschungsrotation zu Beginn sei ideal zur Orientierung und zum Kennenlernen verschiedener Arbeitsgruppen, und um sich als Anfänger in ein Thema einarbeiten zu können. Die Forschungstage werden als hervorragend wahrgenommen, um sich im klinischen Alltag auch einmal kontinuierlich mit einem Projekt oder mit dem Schreiben einer Publikation zu beschäftigen, oder um Termine wahrzunehmen, ohne in Konflikt mit der klinischen Routine zu geraten.

 

Und was meinen Sie?

Wie läuft Forschung in Ihrer Klinik? Wie finden Sie das „Hannoversche Forschungsmodell“? Wir freuen uns über Ihr Feedback im > FORUM