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Ein Tag in der Neuroradiologie

von Finn Drescher, 27.03.2017

Von der interventionellen Schlaganfallbehandlung über die Versorgung von intrakraniellen Aneurysmen bis hin zur Behandlung von Karotisstenosen – das Spektrum der interventionellen Neuroradiologie ist vielfältig. Die Abteilung von Prof. Dr. med. Werner Weber als überregionales Zentrum für interventionelle Neuroradiologie am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum ist auf solche Eingriffe spezialisiert. Wie ein Tag in der interventionellen Neuroradiologie verläuft, erfahrt Ihr im folgenden Bericht.


7.15 Uhr: Dienstbeginn in der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum. Für den leitenden Oberarzt Dr. med. Sebastian Fischer beginnt der Tag mit einem Einsatz in der Angiographie-Einheit. Ein 79-jähriger Patient wurde mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht und zeigte in der neurologischen Untersuchung eine akute rechtsseitige Hemiparese sowie eine Aphasie. In der notfallmäßig durchgeführten zerebralen Bildgebung ist ein akuter Verschluss der A. cerebri media auf der linken Seite zu sehen, sodass die Indikation zur mechanischen Rekanalisation gestellt wird. Der Patient liegt bereits intubiert in der Angiographie-Einheit. „Sie können jetzt mit der Behandlung beginnen“, sagt der Anästhesist und übergibt den Patienten an das Behandlungsteam der Neuroradiologie.

Nach der sterilen Abdeckung punktiert Dr. Fischer die A. femoralis und legt eine entsprechende Schleuse. Anschließend wird mit einem Katheter die linke A. carotis interna sondiert. Das Angiogramm zeigt einen umspülten Thrombus in der Mediateilungsstelle. Durch eine Aspirationsthrombektomie kann Dr. Fischer den Thrombus vollständig extrahieren. Dabei wird das thromboembolische Material mittels einem proximal des Thrombus gelegenen Katheter abgesaugt. Von der Leistenpunktion bis zur Thrombusaspiration sind nur 15 Minuten vergangen. Bleibt die postinterventionelle Periode ohne weitere Komplikationen, hat der Patient eine gute Chance, den Schlaganfall ohne neurologische Ausfälle zu überleben.
DSA-System (Artis Q; Siemens, Erlangen, Deutschland) in der Universitätsklinik Knappschaftskrankenhaus Bochum

Nach der notfallmäßigen Schlaganfallbehandlung wird der nächste Patient auf die endovaskuläre Behandlung vorbereitet. Ein 60-jähriger Patient leidet unter einer komplexen duralen arterio-venösen Malformation (AVM) welche bereits mehrfach vorbehandelt worden ist. Der Patient berichtet, dass er damals ein Ohrgeräusch bemerkt habe, welches nach entsprechender Abklärung auf eine AVM zurückzuführen war. „Bei diesem Patienten besteht weiterhin eine Restversorgung der duralen Fistel, deshalb gibt es eine erneute Behandlungsindikation“, erklärt Prof. Weber.

Prof. Weber und Oberärztin Dr. Anushe Weber entscheiden sich in diesem Fall, weitere Coils in den Sinus transversus und in den Sinus sigmoideus einzubringen. Nachdem Frau Dr. Weber den Führungskatheter entsprechend positioniert hat, werden die Coils eingebracht und über ein elektrolytisches Verfahren abgelöst. Im abschließenden Angiogramm zeigt sich ein vollständiger Verschluss der duralen Fistel.
Kontrollbereich der DSA, Universitätsklinik Knappschaftskrankenhaus Bochum

Anschließend ist eine weitere Gefäßembolisation geplant. Bei einem 51-jährigen Patienten ist eine links frontale arterio-venöse Malformation bekannt, die bereits endovaskulär vorbehandelt worden ist. Klinisch wurde diese bei dem Patienten durch epileptische Anfälle symptomatisch. Nachdem Frau          Dr. Weber die linke A. carotis interna sondiert hat, werden Standard- und Schrägprojektionen der intrakraniellen Gefäße angefertigt. Da eine Restkontrastierung des Angioms zu sehen ist, soll eine weitere Behandlung erfolgen.

Aufgrund der Lage des Angioms in einem peripheren Gefäßabschnitt verwendet Frau Dr. Weber einen flussgesteuerten Katheter, um die korrekte Katheterposition für eine erneute Behandlung zu erreichen. In einem bestimmten Mischungsverhältnis werden zwei Komponenten eines „Gefäßklebers“ in das entsprechende Angiom-Kompartiment injiziert. Im Abschlussangiogramm zeigt sich weiterhin eine minimale Restkontrastierung des Angioms. In diesem Fall wird für den Patienten ein weiterer endovaskulärer Eingriff geplant.

Eine weitere Behandlung in Intubationsnarkose ist bei einer 77-jährigen Patientin mit einem großen Basilariskopf-Aneurysma geplant. Dieses war zuvor zufällig im Rahmen einer MRT-Untersuchung aufgefallen. „Dieses Aneurysma sollte behandelt werden, da es bei einer Aneurysmaruptur zu einer schwerwiegenden subarachnoidalen Blutung kommen kann“, erklärt Prof. Weber. Als er die selektive Kontrastmittel-Injektion in die linke A. vertebralis durchführt, kontrastiert sich das Aneurysma im Bereich des Basilariskopfes. Zur Behandlungsplanung wird zunächst eine 3D-Rotationsangiographie der intrakraniellen Gefäße durchgeführt. Am Monitor erfolgt nun die exakte Ausmessung des Aneurysmas. Da das Aneurysma keinen Aneurysmahals aufweist, ist eine alleinige Behandlung mittels Coiling hier nicht möglich.

Prof. Weber plant die Behandlung des Aneurysmas und entscheidet sich in diesem Fall für eine neuartige Behandlungsform. Bei dem Patienten soll ein sogenannter intrasakkulärer Flow Diverter in das Aneurysmalumen implantiert werden. Bei intrasakkulären Flow Divertern handelt es sich um neurovaskuläre Implantate, die in das Aneurysmalumen implantiert werden und über eine intraaneurysmatische Thrombosierung eine vollständige Aneurysmaokklusion erzielen. „In diesem Fall ist die Größenauswahl des Implantats sehr wichtig“, betont Prof. Weber. Nachdem der Flow Diverter implantiert wurde, zeigt sich im Angiogramm eine beginnende Stase im Aneurysma. In der Abschlussangiographie ist das Aneurysma bereits vollständig aus der intrakraniellen Gefäßzirkulation ausgeschaltet.


Fazit:

Wer im Rahmen einer Famulatur oder eines PJ-Tertials die Möglichkeit hat, in die Angiographie-Einheit zu rotieren, sollte dies unbedingt tun. Von Gefäßrekanalisationen bis hin zu Gefäßembolisationen – die interventionelle Neuroradiologie ist ein innovativer Teil der Radiologie, in der sich die Behandlungsmethoden ständig weiterentwickeln. Insbesondere in der Therapie von Schlaganfällen, intrakraniellen Aneurysmen und arterio-venösen Malformationen stellen neuroradiologische Behandlungsverfahren wichtige Säulen dar. 


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